Jugendarrest – an den Heimspieltagen von Hertha BSC? – RiAG Stephan Kuperion führt durch die Jugendarrestanstalt Berlin – Brandenburg

Die Berliner Morgenpost betitelte ihn in einem Bericht aus 2024 als „Urgestein der Berliner Justiz“ und dem wird RiAG Stephan Kuperion, langjähriger Jugendrichter am Amtsgericht Tiergarten, auch gerecht. Er widmet sich ganzheitlich dem Erziehungsgedanken nach § 2 I Jugendgerichtsgesetz (JGG).

In einer für Jugendschöffinnen und -schöffen einzigartigen Führung durch die Jugendarrestanstalt Berlin – Brandenburg erklärt er die erzieherische Maßnahme des Jugendarrests nach § 16 JGG für Jugendliche, die eine Straftat begangen haben, aber noch keine Jugendstrafe erhalten. Das Gesetz unterscheidet gem. § 16 I JGG zwischen Freizeitarrest (1 – 2 Freizeiten), Kurzarrest (2 – 4 Tage) und Dauerarrest (1 – 4 Wochen). 

RiAG Stephan Kuperion mit Max Langner, Vorstandsmitglied im BehR LV BRB – B

Es soll sich um einen kurzen Freiheitsentzug mit sühnendem und erzieherischen Charakter handeln. Daher schaut die Anstaltsleitung genau hin. Nach einem Delikt beim Fußballspiel legt man den Arrest z. B. auf die Heimspieltage von Hertha BSC oder Union Berlin, um für den Jugendlichen ein deutliches Signal zu setzen.

30 Plätze für Mädchen und Jungen stehen in der Jugendarrestanstalt Berlin – Brandenburg zur Verfügung, die beim ersten Hinsehen eher einen familiären Charakter aufweist. Erst beim Eintreten in eine Arrestzelle wird deutlich, dass die Jugendlichen abends, maximal mit einem Buch bestückt, für die Nacht eingeschlossen werden.    

Die anstaltseigene Bücherei lebt von der Leidenschaft der Arrestleitung. Persönlichkeiten wie Tim Raue, Sebastian Fitzek oder Thomas Gottschalk hielten hier Lesungen, um den Jugendlichen auf ihrem Weg zurück in ein hoffentlich straffreies Leben Rückenstärkung zu geben.

Wäre da nicht die Mauer hinter dem Fußballtor, so könnte man meinen, dass alles ganz entspannt und chillig abläuft. Aber es gibt einen strikten Tagesplan, der den Jugendlichen Struktur gibt. „Wir fahren alles runter und plötzlich möchte der Jugendliche mit dem Sozialdienst reden“ – so erklärt Stephan Kuperion, warum das Handyverbot, kein Fernsehen in den Zellen und auch sonst kein Kontakt nach draußen wichtig ist, damit sich die jungen Menschen „erden“ können.

Jörg Siegmann, stellv. Vorstandsvorsitzender des BehR – LV BRB – B